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Hochtouren

Kühle Gedanken an heissen Tagen

12.07.2015

Die tropische Hitze der letzten Tage erinnerte mich an den Anmarsch zum Makalu in Nepal; vor bald dreissig Jahren. Zwei Tagesetappen, von insgesamt vierzehn, führten entlang dem Arun, einem der wasserreichsten Flüsse Nepals. Seine Quelle liegt im Hochland von Tibet. Auf der Reise gegen Süden, dem Ganges zu, durchquert er ganz Nepal. Während die Erdkruste zu seinen beiden Seiten, durch den "Aufprall" Indiens gegen die Europäische Platte, auf über achttausend Meter hoch gestossen wurde, hat der Fluss seinen Weg gegen Süden hartnäckig verteidigt. Heute trennt der Arun die zwei mächtigen Achttausendergebirge von Kangchendzönga und Makalu.

Man nimmt an, dass dieser Fluss schon vor der Entstehung der Himalaya Kette bestanden hat. Das sind immerhin vierzig bis fünfzig Millionen Jahre.

Dort wo er träge durch die letzten Hügelzüge fliesst, wanderten wir seinem Ufer entlang aufwärts. In der prallen Mittagshitze quälte ich mich von Schattenplatz zu Schattenplatz. Der Regenschirm, eigentlich für einen anderen Zweck vorgehsehen, schützte mehr schlecht als recht vor den stechenden Strahlen. Kein Windhauch nirgends. Wo die Sonne hin brannte erstarrte alles Leben. Natürlich waren wir europäischen Grünschnäbel die einzigen die sich das antaten. Die Einheimischen Träger hatten da nur ein müdes Lächeln übrig. Geduldig warteten sie auf die Abkühlung des späteren Nachmittages. Am zweiten Tag habe ich mich dann den lokalen Sitten angepasst.

Im Vergleich zu der Backofenhitze im Flusstal des Arun ist die Temperatur hier im Berner Oberland direkt angenehm gewesen. Nichtsdestotrotz forderte sie mir ab und zu eine Portion Motivation ab, um meiner Arbeit nachzugehen, die mich den ganzen Juli im Tal unten beschäftigen wird. Damit mein "Bergweh" nicht zu stark wird, denke ich in den freien Stunden darum manchmal zurück an erlebte Bergfahrten, an zukünftige Projekte oder blättere durch mein Bildarchiv.
Die Bilder vom Makalu hatte ich mal ausgeliehen und komplett vergilbt zurück bekommen, sodass sie eigentlich unbrauchbar geworden sind. Diejenigen vom vergangenen März und April im Aletschgebiet sind jedoch "taufrisch". Anlässlich meiner dortigen Frühjahrsskitouren übernachtete ich einmal auch in der Konkordiahütte. In der Alten, der sogenannten Haslerhütte, die Neue war bis auf den letzten Platz belegt. Die ganze Nacht über habe ich vor Kälte ganz erbärmlich geschlottert. Wie wäre ich in den letzen Tagen, um ein wenig von der Kälte dieser langen Nacht froh gewesen.

Hoch oben im königsblauen Himmel thront der Trugbärg. Zu seinen Füssen der Gletscherabbruch des Ewig Schneefelds.
In einer brüsken Geländestufe fällt das Ewig Schneefeld vierhundert Höhenmeter tief hinunter auf den Konkordiaplatz.
Klares, mildes Abendlicht flutet die weite Fläche des Konkordiaplatzes. Lange, kühle Schatten legen sich über Gletscher und Firn. Ganz rechts hinten die Lötschenlücke.
Tagwacht beim Skidepot der Konkordiahütte. Links der Fulbärg an dessen Fusse, unten rechts, die Hütte steht.

Noch ist es fast Nacht. Die ersten Alpinisten machen sich, unten beim Skidepot der Hütte, für einen weiteren Traumtag bereit. Am Gipfel des Trugbärgs lassen sich die ersten Vorboten des Tages nieder.
Die Konkordiahütte steht auf einer breiten Felsschulter, aus welcher der Westgrat des Fulbärgs gipfelwärts strebt. Die erste Hütte wurde bereits 1877 gebaut. Damals stand sie knapp 50 Meter über dem Gletscher. Heute sind es mehr als 150 Meter!

Der Ostgrat des Dreieckhorns. Dahinter im zarten Rosa der Vor- und Hauptgipfel des Aletschhorns.
Warm leuchtet die Morgensonne auf dem Vor- und Hauptfipfel des Aletschhorn sowie des Sattelhorns.

Am Vorabend habe ich in der Hütte mit einem Bergführer gesprochen. Auf seinem heutigen Programm steht das Dreieckhorn. Vielleicht werde er mit seinem Gast, so sagte der Führer, gleich noch das Aletschhorn anhängen. Eine lange, fantastische Tour. Hoffentlich ist es den beiden gelungen.


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