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Lauterbrunnental

Regentag

30.08.2014

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Bekleidung, sagt man. Doch im vergangenen Sommer hat selbst GoreTex nicht viel genutzt. Nicht zuletzt auch deshalb, weil dieser Stoff nur funktioniert wenn es aussen deutlich kälter oder trockener ist, als in der Kleidung. Nass war es fast immer, kälter war es selten. Der Sommer 2014 hat seit Messbeginn einen neuen Wärmerekord erzielt. Und die Meteorologen gehen davon aus, dass sich solche Wetterlagen in der Zukunft häufen werden. Wir werden uns also an diese Verhältnisse gewöhnen müssen. Natürlich sind auch mir die Schönwettertage bedeutend lieber doch auch Regentage haben für mich ihren Charme. Mal abgesehen von der grossen Herausforderung, meine Ausrüstung trocken zu halten kann.

Blick von Wengen ins Lauterbrunnental.

In diesen „Charme“ ist auch ein wenig Schwermut hineingewoben, gepaart mit meinem Pragmatismus im Umgang mit den Wettergewalten. Was kann denn ich gegenüber diesen Naturkräften ausrichten? Letztendlich bleibt da immer nur ein Staunen und Fürchten übrig; ob den Schönheiten, ob den zerstörerischen, chaotischen Kräften. Der jahrhundertlange, zuweilen fast übermenschlich harte Überlebenskampf mit den Elementen ist noch heute, wenn auch bei den meiste wohl eher unbewusst, Teil unserer Bergleridentität. Nicht umsonst waren zum Beispiel die Walser die fast immer zuhinterst und zuoberst in den Bergtälern siedelten in ganz Europa gefragte und gefürchtete Söldner. Es ist darum naheliegend, dass die Allmächtigkeit der Natur bei unseren Vorfahren ein fruchtbarer Boden für allerlei Aberglauben fand. Selbst wenn die Wetterenergien mittlerweile erforscht und wissenschaftlich erklärt sind, wirken sie nicht weniger auf Gemüt und Seele.

Trachsellauenen
Blick gegen die Alp Stufenstein.

Bevor das Christentum in unsere Täler kam, und noch bis in die Neuzeit hinein, waren für uns die zerstörerischen Naturkräfte das Werk von Dämonen und Urkraftwesen. Sie trieben in unseren Bergen mit uns ihren Schabernack und Spuk. Wenn ich bei Nebel, Regen, Sturm und Gewitter, bei Tag und bei Nacht unterwegs bin, weitab von jedem schützenden Dach, dann werden die Erinnerungen daran wieder wach. Darüber mag die aufgeklärte Leserin, der aufgeklärte Leser jetzt vielleicht nachsichtig lächeln. Mich hat‘s auf jeden Fall schon ein paarmal, ob den geheimnisvollen Gewalten, kalt im Nacken gepackt.

Links der Stalden-, rechts der Mattenbach.

Im Lauterbrunnental stürzen sich, wie der Talchronist Hans Michel gezählt hat, zweiundsiebzig Wasserfälle von höheren und höchsten Felswänden herunter. An diesem Tag kamen wohl noch drei, vier dazu. Am Schwarzmönch, dem Einzugsgebiet der oben fotografierten Wasserfälle, liegen die Strählplatten. Grossflächige Kalkplatten von den vorzeitlichen Gletschern, vor rund 24‘000 Jahren, blankgescheuert. Diese mächtigen Eisströme flossen über Bern hinweg, gegen den Jurasüdfuss, weiter nach Genf und von dort, zusammen mit den Walliser Gletschern, das Rhonetal hinunter Richtung Mittelmeer. Auf dem Weg zur Silberhornhütte traversiert man sie. Hier und da gibt es kleine Felsbadewannen, die bei grosser Hitze zu einem erfrischenden Bad einladen. An einem Tag wie heute, wäre davon wohl abzuraten.

Links die weisse Lütschine, rechts der Mattenbach.
Links der Staldenbach, rechts die Lütschine.
Trachsellauenen

Bei Trachsellauenen, einem wildromantischen Ort mit kleinem Hotel und Restaurant, von dessen beschaulicher Terrasse sich bei schönem Wetter ein imposanter Blick auf das Breithorn und die Schmadribach-Fälle öffnet, kehre ich um. Keinen Menschen habe ich angetroffen. Wen wundert‘s, bei diesem Wetter schickt man nicht einmal Hunde vor die Türe.

Der Schwarzmönch mit dem Mattenbach.
Das Lauterbrunnental mit seinen Wasserfällen.

Nach einer knappen Stunde Abstieg erreiche ich wieder den Stechelberg. Letzter bewohnter Ort im Lauterbrunnental. Ausgangspunkt zu prachtvollen Wanderungen im Hinteren Lauterbrunnental. Der Dauerregen hat ein wenig nachgelassen. Links im Bild der Mürrenbach, mit 417 Metern der höchste Wasserfall der Schweiz. Weiter talauswärts der Ägerterbach. Ganz hinten liegt, vom feuchten Nebeldunst verhüllt, das Dorf Wengen.


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